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Psychodynamik

Die Psychodynamik beschreibt innerseelische (intrapsychisch) Prozesse sowie deren Wechselwirkung mit äußeren Verhältnissen und Beziehungen (interpsychisch). Dabei werden psychische Vorgänge nicht lediglich als Reflexe auf Außenreize begriffen, sondern als eine Dynamik, bei der innerseelische Kräfte sich ergänzen oder aber auch miteinander in Konflikt geraten können.

Innere konflikthafte Regungen entstehen aus gleichzeitigen und einander widersprechenden Motivationen, so etwa dem Wunsch nach Autonomie, gepaart mit dem gleichzeitigen Wunsch nach Bindung. Solche Gegensätze führen oftmals zu dauerhaften inneren Spannungen, die schwer erträglich sind und als solche abgewehrt, also vom bewussten Erleben ferngehalten werden müssen.

In der klassischen Psychoanalyse wird die Genese der Psychodynamik entwicklungspsychologisch bzw. phasenhaft gedacht (intentionale, orale, anale und ödipale Phase), also auf grundsätzlich zu bewältigende Entwicklungsaufgaben bezogen. So fragt die Psychodynamik vor allem nach frühen Konflikten und danach, wie diese sich wiederholend zeigen (Wiederholungszwang), zu (Beziehungs-)Mustern gerinnen und auf die Persönlichkeit ausstrahlen. 

Ausdruck findet das innerpsychische Konfliktgeschehen in Symptomen – Angst, Zwang, Depression, Psychosomatik u.a. –, deren Ursache in der Regel unbewusst bleibt. Die Psychoanalyse zielt darauf ab, Zugang zu den verdrängten Dynamiken zu finden, um Person und Beziehungserleben von tief einsitzenden Konflikten zu befreien.

Das erlebnishafte, gefühlsgesättige Bewusstwerden und Verändern früher Beziehungs- und Konfliktmuster geht einher mit einem Ringen zwischen Neugier mit Verdrängung, Abwehr und Widerstand.